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Gedanken · Bilder · Perspektiven

Metaphern
fürs Leben.

Vertraute Bilder, die mit wenigen Worten viel erzählen.

Dr. Klaus D. Biedermann

Zur Einführung

Metaphern – die elegante Veränderungsarbeit

Nahezu alles kann man auf vielerlei Arten ausdrücken: direkt und konkret oder indirekt, bildhaft und gleichnishaft.

Metaphern und Lehrgeschichten eröffnen neue Blickwinkel. Sie sprechen nicht nur den Verstand, sondern auch Vorstellungskraft und Gefühl an. Gerade darin liegt ihre besondere Kraft: Sie laden dazu ein, vertraute Sichtweisen zu verlassen und eigene Lösungen zu entdecken.

Dr.phil. Klaus D. Biedermann hat die Inhalte dieser Sammlung zur Verfügung gestellt. Sie wird in regelmäßigen Abständen erweitert.

Untertitel 1

Kurze Metaphern

01

Ich verstehe nur Bahnhof

Ich verstehe überhaupt nichts von dem, was gerade gesagt wird.

02

Den Nagel auf den Kopf treffen

Genau das Richtige sagen oder eine Situation treffend auf den Punkt bringen.

03

Um den heißen Brei reden

Eine Sache nicht direkt ansprechen, sondern ausweichend formulieren.

04

Das ist mir Wurst

Es ist mir völlig egal.

05

Jemandem die Daumen drücken

Jemandem viel Glück für eine bevorstehende Aufgabe wünschen.

06

In den sauren Apfel beißen

Eine unangenehme Notwendigkeit akzeptieren.

07

Die Flinte ins Korn werfen

Zu früh aufgeben, weil man keinen Erfolg mehr erwartet.

08

Tomaten auf den Augen haben

Etwas Offensichtliches nicht sehen.

09

Ein Auge zudrücken

Nachsichtig sein und über einen kleinen Fehler hinwegsehen.

10

Mit allen Wassern gewaschen sein

Sehr erfahren, clever und nicht leicht zu täuschen sein.

Untertitel 2

Kurzgeschichten

01

Die Landkarte

Ein Mann fand eines Tages ein Stück einer Landkarte und hatte allen Grund anzunehmen, dass es sich um eine Schatzkarte handelte. Er wollte unbedingt den verborgenen Schatz finden und suchte in den nächsten Wochen und Monaten unermüdlich nach den restlichen Teilen der Karte. Vergeblich.

Da kam ihm eines Tages die Idee, er könnte doch dem Hinweis auf dem einen Stück der Karte erst einmal folgen. Und siehe da: Dort fand er das nächste Kartenstück, wieder mit einem Hinweis darauf. Und so folgte er stets den Informationen, die ihm bereits zur Verfügung standen, und stieß schließlich auf den lange ersehnten Schatz.

Es mag nicht einmal so wichtig sein zu wissen, dass sich der Schatz die ganze Zeit auf seinem eigenen Grundstück befunden hatte. Wichtiger ist vermutlich, was der Mann daraus gelernt hatte: Man braucht nicht immer die ganze Landkarte, um loszumarschieren …

02

Der Steinmetz

Ein Steinmetz saß am Fuße eines mächtigen Berges und bearbeitete in der Hitze der Mittagssonne einen Felsen. Es war sehr anstrengend, und er schaute nach oben und sprach: „Lieber Gott, was bin ich für ein armer Mann. Könnte ich doch die Sonne sein, die auf alles scheint, dann ginge es mir immer gut.“

Er hatte diesen Wunsch gerade ausgesprochen, da wurde er die Sonne. Nun stand er hoch oben am Himmel, schien auf alles herab und freute sich. Plötzlich kamen Wolken auf und versperrten ihm die Sicht auf die Erde. „Lieber Gott“, sagte er, „was nutzt es mir, die Sonne zu sein, wenn die Wolken mächtiger sind? Könnte ich doch die Wolken sein!“

Es dauerte nicht lange, und er war die Wolken und zog gemächlich über die Erde. Ein Sturm kam auf und trieb die Wolken auseinander. „Lieber Gott, wenn der Sturm mächtiger ist, so möchte ich lieber der Wind sein, der über die Erde weht.“ Er wurde der Wind, wehte über die Erde und freute sich an seiner Kraft.

Plötzlich wurde er von einem hohen Berg aufgehalten. Der Wind brach sich an dem mächtigen Berg. „Lieber Gott, so stark möchte ich sein, dass ich sogar den Wind aufhalten kann, und so mächtig.“ Er wurde zu dem hohen Berg und stand majestätisch da.

Auf einmal merkte er, wie unten an seinem Fuße jemand saß und hämmerte …

03

Der richtige Ton

Ein sehr berühmter Jazzmusiker war auf einer Afrikareise, um sich neu inspirieren zu lassen.

Irgendwann sah er in einem Dorf einen Dorfbewohner, der vor seiner Hütte saß und auf einem einsaitigen Instrument spielte. Er ging näher und hörte, dass der Mann immer den gleichen Ton spielte. Ganz begeistert packte der Jazzmusiker sein Saxophon aus und begann, zu diesem Ton zu improvisieren.

Nach einer kleinen Weile setzte er sein Instrument ab und sagte zu dem Dorfbewohner: „Das ist so fantastisch! Lass uns zusammen auf eine große Tournee gehen. Wir werden viel Erfolg haben.“

„Warum? Ich habe meinen Ton gefunden“, war die Antwort.

04

Der Meister und sein Schüler

Einmal kam ein sehr ungeduldiger und ungestümer Schüler zum Meister. Er bedrängte den Weisen mit der Frage: „Meister, so verratet mir doch, was das Geheimnis des Lebens ist!“

Der Meister fragte den Schüler: „Kannst du denn ein Geheimnis für dich behalten?“ Voller Erwartung nickte der Schüler eifrig.

„Ja, natürlich kann ich das, Meister – selbstverständlich.“

Der Meister schickte sich an, den Raum zu verlassen. An der Tür drehte er sich noch einmal um und sagte: „Siehst du, ich auch.“